Antiquariate im Rhein Main Gebiet

Katzen und Bücher
Katzen mögen schlaue Leute, deshalb fühlen sie sich bei Büchern wohl. Jeder Bücherfreund wird dies bestätigen können. Neugierig schnuppern sie an den Buchrücken herum, gerne legen sie sich in leere Bücherregale, manchmal packen sie auch Pakete aus. So gesehen sind sie die idealen Mitarbeiter für jedes Buchantiquariat: Seit 17 Jahren betreibe ich mit drei Katzen ein Versandantiquariat in Griesheim, drei Kilometer von Darmstadt entfernt. Kein Tag gleicht dem anderen. Dies ist auch gut so, denn Katzen lieben die Abwechslung. Ihre Neugierde treibt sie unruhig hin und her, finden sie etwas was gefällt, fangen sie damit an zu spielen. Dies kann stundenlang dauern oder bestenfalls auch nur ein paar Minuten, bis ein anderes, ein besseres Spielzeug gefunden wird. Oft denke ich deshalb, der Katze fehlt, im Vergleich zum Menschen, ein Sinn für die Ernsthaftigkeit des Lebens. Dennoch möchte ich sie, als unterstützende und vor allen Dingen als unterhaltende Mitarbeiter niemals mehr missen. Inzwischen weiß ich, ein Antiquariat ohne Katzen wäre für mich wie ein Leben ohne Bücher. Langweilig, einsam und irgendwie kalt. An die Art der seltsamen und manchmal provokativen Zusammenarbeit konnte ich mich zwischenzeitlich gut gewöhnen: Meine Mitarbeiter kennen keine 35-Stunden-Woche, keine Tarifverträge und keine Gehaltserhöhungen. Sie sind – und hier haben sie viel mit dem Antiquar gemeinsam – reine Individualisten: Sie kommen und gehen, wann sie wollen, sie legen sich dorthin, wo es ihnen gerade passt (leider manchmal auch auf die Computertastatur), oft schlafen sie während der Arbeit auch einfach nur ein oder vertrödeln Lebenszeit mit sinnlosen Dingen. Dass sie im Innern eigentlich Raubtiere, nämlich geborene Jäger, sind, widerspricht dem überhaupt nicht. Die Katze versteht unter Jagd eine Art von Sport. Hier werden Neugier mit schnellen Bewegungen gekonnt vereint. Das Ganze gleicht einem Spiel, und nicht wie beim Menschen oftmals nur einer gemeinen Hetze. Wer je Gelegenheit hatte, eine Katze beim Fangen von Mäusen beobachten zu dürfen, wird dies bestätigen. Für die Maus hingegen ist es egal, ob man es Jagd oder Spiel nennt, denn es geht für sie fast immer tödlich aus. Aber gerade hier beweist sich die bewundernswerte Philosophie der Katzen. Im Innern sind sie wahre Stoiker geblieben. Das „carpe diem“ besteht darin, den Tag durchaus ruhig und entspannt an sich vorüberziehen zu lassen. Jedoch immer wohl wissend, dass jeder Tag etwas Einmaliges ist und deshalb auch niemals in der heutigen Form wiederkehren wird. Bei der Arbeit beobachte ich sie täglich. Faul strecken sie sich in meinem Sessel aus, kein Umsatzrückgang bringt sie aus der Ruhe. Denn längst ist klar, alles menschliche Tun und Sein besitzt natürliche Grenzen. So genießen sie alles im Hier und Jetzt und geben dadurch meinem Leben eine unwiederbringliche Authentizität.
Michael Eschmann
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